Donnerstag, 15. November 2012

Erinnerungsfetzen

Es ist eindeutig, die dunkle Jahreszeit ist da. Morgens wenn das Kind aus dem Haus ist, verführt diese Kälte geradezu dazu sich wieder ins Bett zu lümmen. Aber nein, Frau bleibt standhaft...und setzt sich an den Lappy, weil man eigentlich ja was zu tun hat.
Der Lappy geht an und ping..da geht ne Mail ein. Werbung. "Wir haben DIE Weihnachts und auch Silvesterparty für euch!!" heisst es da "Wir bitten um frühzeitige Reservierung" steht da auch noch.
Krieg ich jedes Jahr, obwohl ich schon seit Jahren darum bitte aus diesem Weihnachts- und Silversterparty-Verteiler herausgenommen zu werden. OK jetzt, haben se ne Leserin weniger. Pech für sie.

Pech...ja..Pech für mich aber, dass die Erwähnung dieses letzten Tages im Jahre für alle anderen so was tolles bedeutet, aber für mich Magenkrämpfe und Übelkeit, ein Gefühl von Hilflosigkeit und das sofortige Fliessen von Tränen, so sehr ich mich auch noch versuche zusammen zu reissen.




Achtung, wenn ihr nicht mit richtig bösartigen Geschehnissen wie einer Vergewaltigung umgehen könnt, vor allem wenn es jemand erlebt hat, den ihr gern oder sogar lieb habt, dann lest hier nicht weiter.



Es war am Millenium. Sie geht die Stufen zu einer Wohnung in einem Mehrfamilienhaus in einem älteren Stuttgarter Bezirk hinauf und schaut mit ihren graublauen, dezent getuschten Augen etwas verwundert zwischen den Treppenabsätzen nach oben, weil es so leise ist. Ist bei einer Party nicht auch etwas lautere Musik Gang und Gebe? 

Sie ist Anfang 20, schlanke Figur, damals dunkelblondes, lockiges, hüftlanges Haar. 
Sie hat ihre Prinzipien, kein Sex bevor sie den Mann nicht mindestens drei Monate näher kennengelernt hat und hat sich auch immer dran gehalten. Natürlich hatte sie auch schon ONS, aber sie fühlt sich damit nicht wohl, fühlt sich danach immer schmutzig und schäbig, deshalb vermeidet sie es eher. Diesen Mann, der sie auf eine Millenium-Party eingeladen hat, hält sie genauso auf Abstand, weil sie hofft, wenn er sie besser kennen lernt, wird er sich vielleicht auch in sie verknallen, so wie sie in ihn verschossen ist.  

Sie kommt an der Wohnung im vierten Stock an und da geht auch schon die Tür auf. Er lächelt sie an, sie strahlt zurück, er schaut sie an, als würde er ihr direkt die Klamotten mit den Blicken ausziehen, sie erschaudert und bekommt im gleichen Moment ein ungutes Gefühl im Bauch. 
Er gesteht ihr, dass er eigentlich gar keine Party macht, er wollte nur einfach sicher gehen, dass sie heute abend da ist. Ihre Heiterkeit ist wie weggewischt, sie wird ängstlich. Sie hat ihn in den letzten zwei Monaten schon so oft abgewiesen, wenn er Avancen machte, die ihr zu weit gingen und konnte dann auch immer, meist wütend, den Ort des Geschehens verlassen. 

Sie setzen sich, er bietet ihr ein Glas Sekt an, als Aperitif, er sagt er hätte für sie gekocht und zeigt ihr den runden Tisch ihr gegenüber. Mühe hat er sich schon sehr gegeben, an alles gedacht, sogar richtig romantisch. Sie lässt sich davon blenden, beruhigt sich etwas, er setzt sich zu ihr, sie unterhalten sich etwas, sie entspannt sich noch mehr. Sie flirten und er kommt ihr näher, legt den arm um sie, zieht sie zu sich, stellt ihr und sein Glas weg, küsst sie, erst sehr zärtlich, dann etwas fordernder, und schließlich sogar recht zudringlich und irgendwann sogar richtig grob. Sie drückt ihn von sich und faucht ihn an, er solle das doch bitte lassen, sie wolle das nicht. Er ist sauer und verzieht sich erstmal in die Küche. 

Sie steht auf und will, mal wieder wütend, gehn, hat schon die Jacke wieder an und will gerade aus der Wohnungstür raus, da kommt er aus der Küche, wieder der charmante Kerl, und entschuldigt sich, er wäre zu schnell ran gegangen, er würde sich jetzt benehmen, wenn ihr das so wichtig sei. 

Sie kehrt wieder um und setzt sich nun an den Tisch und er serviert den Salat. Sie sieht sich um, ein hübsches Wohnzimmer, zwar klein, aber immerhin sehr stilvoll eingerichtet, heller weicher Teppichboden, beige, ein kleines Zweier-Sofa, wenn man zur Tür reinkommt rechts, ein Glastisch, von der Tür aus links der Tisch mit zwei Stühlen  dann gegenüber an der Wand ein Regal, Fernseher und rechts von dieser Regalkonstruktion eine grosse Pflanze in einem sehr grossen Blumentopf und auf dem Boden davor eine Art Schale, aus Stein oder Keramik mit verschiedenen Kerzen und Deko drin.

Er kommt zurück mit einer Flasche Rotwein und stellt auch eine Flasche Mineralwasser dazu. Sie reden über dies und das und er beginnt irgendwann wieder mit dem Thema, warum sie eigentlich immer noch nicht mit ihm poppen will, man sehe doch deutlich, dass sie eigentlich sehr angetan sei von ihm. Sie bestätigt dies, doch weist sie darauf hin, dass es einfach ein Prinzip sei und sie eben kein einfaches Mädchen sei, das man einfach mal so flachlegen könnte. Er schüttelt den Kopf und sagt, er hätte das doch schon längst festgestellt, was sie ihm denn noch beweisen wolle. Sie antwortet ihm, dass sie sich nunmal an ihre Prinzipien halten würde und dass er das akzeptieren müsste, wenn er sie weiterhin treffen möchte.

Sie erschrickt als er mit einem wütenden Blick sein Besteck auf den Tisch knallt und sie wie hasserfüllt anschaut. In ihr zieht sich alles zusammen, in ihr schrillen alle Alarmglocken. Er schnaubt, fragt sie, was denn sei, wenn er nicht mehr warten wolle, wenn er es nicht mehr akzeptieren könnte. Sie versucht gleichzeitig aufzustehen, als sie ihm antwortet, dass sie dann hier nichts mehr zu suchen hätte und kommt aber nicht richtig mit ihrem Stuhl unter dem Tisch hervor. Sie hört ihn sie anschnautzen, sie solle sitzenbleiben, doch sie kämpft weiter mit ihrem Stuhl, kommt endlich frei, doch da ist er schon um den Tisch herum und baut sich vor ihr auf und drückt sie wieder auf den Stuhl zurück. Sie versucht ihn wegzustossen, er knallt ihr seine Hand heftig ins Gesicht, so dass es ihr kurz schwarz vor Augen wird und von selbst auf den Stuhl zurücksinkt. Er ergreift das Messer, das auf ihrer Seite liegt. Ein Steakmesser, hatte sie vorher erkannt beim Salat essen. Sie schaut ihn verzweifelt an, fleht, er möge sie doch bitte gehn lassen. 

An den Rest kann sie sich nicht mehr so richtig erinnern, bzw. will sie auch nicht. Es sind Erinnerungsfetzen. Sie weiss noch, spürt auch noch jetzt nach vielen Jahren, wie sich das Messer plötzlich an ihre Kehle legt und die Zacken in ihre Haut drücken. Sie weiss noch, was er ihr gesagt hat, dass sie sich nicht wehren soll, er hätte kein Problem damit, ihr auch erst die Kehle aufzuschlitzen und sie dann zu benutzen. Das war der Moment wo sie alles nur noch durch Watte wahrnahm.. und schliesslich wie von aussen..von oben das Geschehen miterlebt. Hin und wieder holt er sie mit Schlägen ins Gesicht zurück. Dort noch sitzend auf dem Stuhl vergeht er sich an ihrem Mund, zerrt sie auf den Boden, setzt sich auf ihre Brust und macht dort weiter, bis er sich in ihr ergiesst. 

Nach weiteren Schlägen und Bedrohungen mit dem Messer macht er sich ein weiteres mal über sie her, diesmal nimmt er sie "ganz normal" er wolle es ja nicht übertreiben und sie überfordern. Sie hat einfach nur Todesangst und Panik, macht sich die gleichen Vorwürfe, die er ihr macht, während er schwitzend und einfach nur noch ekelhaft für ihr Empfinden weiter über sie hermacht. Ihr wird schlecht und übergibt sich, wofür sie wieder Schläge kassiert. Er ergiesst sich wieder in ihr und bleibt auf ihr liegen. Sie kann ihn nicht von sich runter bewegen, sobald er es merkt, beginnt er schon wieder mit seinen ekelhaften Berührungen seines Geschlechtes an ihrem Unterleib. Sie fleht ihn an, doch bitte abzulassen, doch er geniesst nun scheinbar seine Überlegenheit und scheint noch noch lange nicht genug zu haben. 

Ein weiteres mal will er sich über sie hermachen, dreht sie um, sie kriegt dabei das Messer zu fassen, er versucht es ihr aus der Hand zu nehmen, sie wirft es in ihrer Verzweiflung irgendwo hin, wo er scheinbar nicht ran kommt, was ihn aber noch wütender macht und er verprügelt sie wieder, steht über ihr, tritt sie, sie hofft nur, dass er nicht an das andere denkt, dass ja noch auf dem Tisch liegt. Er packt sie wieder, nimmt sich nun noch die letzte Körperöffnung vor, wechselt aber irgendwann wieder zurück in die andere und treibt sich wieder bis ans Ende und legt sich dann wieder auf sie. Sie greift um sich, grade hatte sie gesehen, bevor er sie wieder auf den Rücken drehte, dass die Schale nicht mehr so weit weg steht. Sie bekommt sie zu fassen, eigentlich ist das Ding viel zu schwer, sie kippt die Schale erst, so dass die Kerzen herausfallen, kippt sie noch mehr, so dass der Sand auch herausfällt und grade als er drauf aufmerksam wird, dass sie da irgendwas tut, zieht sie ihm die Schale über den Kopf und er fällt bewusstlos zur Seite. 

Sie kämpft sich unter seinem bewusstlosen Körper hervor und sucht das Weite. 



Eigentlich denke ich gar nicht mehr so dran. Das ganze Jahr über nur ganz selten mal..es gibt nur recht wenige Dinge, die ich damit in Verbindung bringe. Ich bin natürlich sehr ängstlich, wenn ich mich mit einem  neuen Mann treffe, aber einen Besuch in dessen Revier ist für mich wahnsinnig schwer. Ansonsten komm ich sexuell eigentlich gut klar. Ich bin nach wie vor ein sinnlicher Mensch und wenn mich ein Typ reizt, hab ich keine Scheu und hab auch Spass daran, sofern er auch was drauf hat. Es gehen nur zwei Dinge nicht mehr, die mein Schatz auch weiss und auch mein Mann wusste das. Zum Glück gabs in der Hinsicht keine Probleme.
Ich hab Schlucken als Tabu im RL, weil ich es gern tun würde, aber im selben Moment kommt ein Flashback und ich werde in diese Gefühle von damals zurückversetzt. Auch wenn sich ein Mann auf meine Brust setzt, dann gehts genauso los.

Und dann kommt der November und meine Erinnerungen werden immer stärker, es wird immer öfter, dass ich dran denken muss und ich fühle mich so schwach und hilflos und dann versuche ich mich so viel wie möglich abzulenken.

Ich versuche jedes Silvester zu verdrängen. Deshalb wäre ich auch sehr dankbar, wenn ihr mich nicht unbedingt bei jedem Post in FB bezüglich Silvester markieren würdet und mit Fragen, was ich dann anstellen werde, verschont.




Kommentare:

  1. Ohh man Isa, du bist nicht die erste von der ich so eine Geschichte höre, ich habe so ähnlich schon einige Male von Freundinnen, so etwas gehört. Ich hasse solche Typen, die eine Frau/Mädchen so innerlich tot machen für Gefühle von anderen Typen, die es wirklich aus tiefstem Herzen ehrlich meinen. Und großen Respekt an dich, dass du dies auch veröffentlichen kannst, sicher auch als Teil deines eigenen Prozesses der Verarbeitung. Ich versteh dich nun noch besser. Patty

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    1. Ja, Patty, es ist ein Prozess der Verarbeitung. Andere gehen jahrelang zur Therapie,..ich hab irgendwann gesagt, die Therapie bringt mich nicht weiter...ich muss das anders packen.

      Es kann aber nicht nur über ein solches Erlebnis passieren, dass Männer Frauen innerlich so tot machen, für andere Typen, die es dann wirklich gut meinen. Ich mein..wo fängt eine Vergewaltigung an? Beim Akt selbst? Oder schon in dem Moment, wo ein Mann einer Frau seinen unwillkommenen Willen aufzwingt? Was macht z.b. ein Dom, ob es ihm nun klar ist oder nicht, wenn er einer Frau seine Dominanz aufdrängt und nicht auf leise Töne reagiert, die aber deutlich Nein heissen. Was is damit?

      Isa

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  2. Danke für den Einblick, denn du uns da gewehrt hast. Es hat mich echt auf eine gewisse Art berührt, da es eben etwas anderes, als eine Geschichte ist.

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